"Türkei" von Steffi am 23. November 2009
Letztes Jahr hatten wir keinen schönen Sommer in Deutschland. Zwar gab es den einen oder anderen sonnigen Tag, an dem man an den Badesee fahren oder ein Eiskaffee im Freien genießen konnte, dennoch waren diese schönen Tage eher eine Ausnahme und man musste sich fast täglich mit Regen und Wind herumschlagen. Meine Schwester und ich hatten die Nase voll vom Nieselwetter in Deutschland und wir entschieden uns ein Wochenende spontan dazu, einige Reisebüros abzuklappern und nach günstigen Last Minute Angeboten zu schauen. Vielleicht hätten wir ja Glück und es findet sich eine tolle Reise irgendwo an den Strand. Wir waren guter Dinge, aber mussten natürlich auch auf unseren Geldbeutel achten. Es war schon erstaunlich, wie viele Last Minute Reisen an den Schaufenstern der Reisebüros ausgeschrieben waren, aber irgendwie konnten wir uns mit den meisten Angeboten nicht so wirklich anfreunden. Wir machten uns einige Tage später dann auf den direkten Weg zum Flughafen. Viele Freunde haben vor Ort oft sehr preiswerte und gute Reisen bekommen, so dass wir die Hoffnung noch nicht aufgaben. Und siehe da, gleich eines der ersten großen Schilder zog unsere Aufmerksamkeit auf sich: Zehn Tage Alanya in einem drei Sterne Hotel für knapp 450 Euro. Das hörte sich hervorragend an, obwohl die Türkei eigentlich nicht gerade ganz oben auf unserer Liste stand. Der freundliche Herr am Schalter machte uns die Reise dann so richtig schmackhaft, so dass uns eigentlich gar nichts anderes übrig blieb, als zuzuschlagen.
Nur eine Woche später ging es dann los. Schnell haben wir alles gepackt und noch das Nötigste besorgt. Da die Türkei nicht von unserem Heimatflughafen angeflogen wird, mussten wir erst eine lange Busfahrt bis nach Hamburg in Kauf nehmen, was schon sehr nervig war. Mitten in der Nacht standen wir vor dem Flughafen, der noch geschlossen war, froren und hatten Hunger. Unsere Stimmung war zu diesem Zeitpunkt etwas im Keller, aber das änderte sich dann, als wir endlich im Flieger Richtung Türkei saßen und die hübsche Landschaft vom Fenster aus sahen konnten.
Die Landung war recht wackelig und mir drehte sich der Magen. Als mir dann auch noch die 40 Grad im Schatten auf den Kopf prallten, als ich aus dem Flieger stieg, wollte ich nur noch ins Hotel. Die Luft war wirklich unheimlich trocken, es wehte kein erfrischendes Windchen. Zum Glück hatte der kleine Transferbus eine Klimaanlage, die während der einen Stunde Autofahrt unser bester Freund wurde.
Alanya ist ein wunderschöner Küstenort und liegt ungefähr 130 Kilometer vom Flughafen in Antalya entfernt. Sehr abwechslungsreich war die Fahrt zum Hotel nicht, denn größtenteils ging es entlang öder Wüstenstraßen, vorbei an alten Gebäuden und Farmen. Manchmal stand aber auch eine hübsche Moschee mitten in der Einöde oder große moderne Hotelkomplexe ragten in den Himmel.
Unser Hotel war eher klein, aber lag genau am Strand. Leider hatten wir ein Zimmer, welches genau unter dem Speisesaal lag, so wurden wir jeden Morgen um Punkt 7 von rückenden Stühlen und klapperndem Geschirr geweckt. Na ja, man muss bei einer Last Minute Reise eben Abstriche machen.
Die Gegend um das Hotel herum war sehr hübsch, ein kleiner Supermarkt befand sich direkt gegenüber und einige Cafés und Shops waren auch zu Fuß zu erreichen. Erst einmal ging es jedoch an den Strand. Der Sand war so heiß, dass alle Touristen, die ihre Badelatschen im Hotel vergessen haben, mit schmerzverzerrten Gesichtern zum Wasser hüpften. Meine Schwester und ich konnten uns ein bisschen Schadenfreude nie verkneifen. Das Wasser war angenehm warm und es machte großen Spaß sich mit einer Luftmatratze in die Fluten zu stürzen. Leider befinden sich auch sehr spitze Steine auf dem Grund, die mir einige Schrammen am Knie und Ellenbogen bescherten. Besonders gefallen hat mir der erstklassige Service am Strand. Uns wurden Getränke, Eis und kleine Snacks direkt an den Liegestuhl gebracht. Als Tourist kann man sich hier echt verwöhnen lassen.
In unseren Reiseunterlagen befanden sich einige Gutscheine und Ausflugstipps für die Gegend rund um Alanya. Da wir den gesamten Urlaub nicht nur am Strand liegen und barfüßige Touristen auslachen wollten, entschieden wir uns bereits am Anfang für eine Schnorcheltour. Mit einem riesigen Boot schipperten wir beinahe eine halbe Stunde aufs offene Meer, machten Bekanntschaft mit anderen Deutschen und durften uns auch an einem großen Buffet erfreuen. Nach einer 20-minütigen Einführung in die Welt des Schnorchelns, konnte es endlich losgehen. Meine Schwester war die Unterwasserwelt nicht so ganz geheuer, so dass sie nach nur wenigen Minuten wieder auf das Boot kletterte. Ich hätte den ganzen Tag die Unterwasserwelt genießen können. Ab und zu kreuzten ein paar bunte Fischschwärme meinen Weg und einmal bekam ich fast einen Herzinfarkt, als ein professioneller Taucher plötzlich aus einer Wasserpflanze heraus kroch. Ich fand diese Schnorcheltour einfach klasse!
Wir verbrachten unsere Abende meist in der Nähe des Hotels, denn die Busse waren alles andere als einladend und auch die Einheimischen waren uns nicht immer ganz geheuer. Mir ist aufgefallen, dass Frauen mit blonden Haaren sehr häufig angesprochen und mit Komplimenten überhäuft wurden. Anfangs fanden wir das ja noch ziemlich lustig, aber mit der Zeit waren wir etwas genervt von den ständigen Flirtversuchen der türkischen Männer. Ich bezweifle, dass sie irgendwelche ernsten Absichten hatten und war mir sicher, dass es einfach eine Masche war, um uns in das Lokal zu locken. Die Abende waren dennoch sehr amüsant. Wir schlenderten meist über die Märkte, machten Halt in verschiedenen Eiscafés und verbrachten die späten Stunden an der Poolbar im Hotel.
Unser Ausflug zur Damlatas war ebenfalls sehr faszinierend. Das ist eine große Tropfsteinhöhle, in der eine sehr erfrischende Luft herrscht. Die Atmosphäre im Inneren dieser Höhle war irgendwie gruselig, andererseits total spannend. Die Führung ging zwar nur knappe 15 Minuten, aber es war trotzdem ein toller Ausflug.
In Alanya lässt es sich so richtig ausgiebig feiern. Wir waren anfangs etwas skeptisch was das Partyoutfit angeht, denn in einem Land wie der Türkei sollte man als Frau ja nicht allzu viel Haut zeigen. Alanya ist aber eine echte Partyjochburg, wo sich so viele internationale Touristen aufhalten, dass auf das Outfit kaum Wert gelegt wird. In den Bars und Diskotheken wird meist Techno und House gespielt, Getränke sind sehr günstig und die Menschen haben riesigen Spaß.
In den landestypischen Restaurants bekommt man wirklich riesige Portionen an köstlichen Speisen. Die Türken sind sehr gastfreundlich und auch spendabel. Wir verbrachten meist einige Stunden in den Restaurants, weil immer wieder etwas Leckeres an den Tisch geliefert wurde.
Am letzten Abend teilten meine Schwester und ich uns einen mega-großen Fleischspieß, zu dem zahlreiche Saucen und Couscous serviert wurden. Das war noch einmal ein krönender Abschluss unseres Last Minute Urlaubs in der Türkei.
Obwohl wir nicht viele Ausflüge gemacht haben, haben wir den Urlaub in der Türkei sehr genossen. Wir befanden uns in einer Touristenhochburg, haben also nicht wirklich tiefgründig in die Kultur eintauchen können, dennoch hatten wir die Möglichkeit einige Moscheen und Synagogen zu bestaunen und haben immer wieder nette Gespräche mit charmanten Einheimischen führen können. Der lange Strand lädt zu erholsamen und amüsanten Stunden ein und auch die Freizeitangebote, wie Tauchkurse oder Schnorcheltouren, sind spitze. Wer gerne feiert und Spaß hat, der sollte nach Alanya kommen. Hier lässt sich günstig Party machen! Wer sich eher für Kunst, Geschichte und Architektur interessiert, der wird in der Türkei auch voll auf seine Kosten kommen. Uns hat es auf jeden Fall gefallen!